Montag, 7. November 2016

Marxistisches Krisenlexikon

Spätestens seit Ende 2008 ist „Die Krise” in aller Munde, die bürgerlichen Medien berichten, Dokumentationen über die Weltwirtschaftskrise 1929 werden ausgegraben und die Regierung pumpt unglaublich viel Geld in den Finanzsektor und die Wirtschaft.

Aber wie kommt es eigentlich zu solchen Krisen? Welche Mechanismen verbergen sich im Hintergrund? Diesen und weiteren Fragen sind GenossInnen in der Positionskolumne „Marxistisches Krisenlexikon” auf den Grund gegangen. Lesenswert meinen wir und stellen es euch deshalb zur Verfügung.

1. Wirtschaftskrise

Ökonomische Krisen, so könnte es scheinen, sind das Schicksal der Menschheit. Immer wieder hat es Zeiten der Not und des Hungers gegeben, schon das Alte Testament erzählt vom Wechsel der 7 fetten und der 7 mageren Jahre. Hatten also bereits die alten Juden und Ägypter mit Wirtschaftskrisen zu kämpfen? Und warum war Frau Merkel nicht so gut beraten wie der Pharao, der rechtzeitig große Vorratsspeicher anlegen ließ?

Wodurch entstehen Krisen?

Die letzte Frage zeigt, dass wir hier über zwei gänzlich verschiedene Dinge sprechen. Die Menschen in biblischer Zeit, wie die Menschen in allen vergangenen Epochen, litten Hunger, wenn widrige Naturbedingungen die Ernten zerstörten, wenn also zu wenig produziert wurde. Heute dagegen können schlechtes Wetter oder Insektenplagen zumindest in den Industrieländern keine Hungersnöte mehr auslösen. Krisen entstehen nicht dadurch, dass zu wenig produziert wird, sondern „zu viel“. Das Problem ist nicht, dass die Vorratslager leer sind, sondern dass sie zu voll sind. Die Unternehmen bleiben auf ihren Erzeugnissen sitzen, ein zu hohes Warenangebot drückt die Preise. Fabriken stellen die Fertigung ein, gehen in Konkurs. Jedes Unternehmen, das seine Produktion einschränkt oder aufgibt, zwingt seine Zulieferer zu Produktionseinschränkungen oder -aufgaben. Arbeiter und Angestellte, die ihren Job und damit ihr Einkommen verlieren, gehen als zahlungskräftige Kunden verloren. Ein Teufelskreis.


Eine kapitalistische Krise ist eine paradoxe Angelegenheit: Die Menschen verarmen, weil es zu viele Waren gibt. Arbeitslose stehen auf der Straße, weil die Maschinen stillstehen. Not entsteht durch Überfluss. Man sollte meinen, es sei ein Leichtes, Abhilfe zu schaffen. Wenn die Lager überquellen und viele Leute arm sind, warum gibt man den Armen nicht die überschüssigen Waren? Wenn die Maschinen still stehen, warum lässt man die Arbeitslosen nicht mit den Maschinen arbeiten und nützliche Dinge produzieren? Wenn es an Nachfrage mangelt, warum erhöht man nicht die Löhne?

Die Antwort ist einfach: Weil wir im Kapitalismus leben. Kapitalistische Produktion ist nicht Produktion zwecks Versorgung von Menschen, kapitalistische Produktion ist Produktion zwecks Erzielung von Profit. Und wenn weitere Produktion keinen Profit bringt, dann wird die Produktion eingestellt, ganz egal, ob die Produkte gebraucht werden oder nicht.

Wege aus der Krise

Wie kommt man aus einer Krise heraus? Im Prinzip gibt es zwei Wege: Der kapitalistische Weg führt über eine so genannte Marktbereinigung, d.h. über die Zerstörung der „überschüssigen“ Waren, der „überschüssigen“ Produktionsmittel, nicht selten auch der „überschüssigen“ Menschen. Sei es durch ökonomische Prozesse oder – effektiver – durch Krieg. Wenn genügend Waren, Fabriken, Menschen zerstört sind, ist der Markt für die Übriggebliebenen wieder in Ordnung.

Der sozialistische Weg besteht darin, damit aufzuhören, um des Profites willen zu produzieren und damit anzufangen, um der Menschen willen zu produzieren. Für diesen letzteren Weg gibt es derzeit in Deutschland allerdings kaum eine Lobby. Viel zu viele Zeitgenossen glauben immer noch daran, dass nur eine am Profit der Kapitalisten orientierte Produktion den Wohlstand der Bevölkerung sichern kann. Ein Glaube, dessen Naivität wohl selbst die Verfasser der Bibel in Erstaunen versetzt hätte.

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